Thüringer GaLaBau-Tag 2026
Zukunftsfähige Freiräume, starke Betriebe und neue Perspektiven für die Grüne Branche
21. Januar 2026 · Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau Erfurt
Am 21. Januar 2026 fand im Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau Erfurt (LVG) der Thüringer GaLaBau-Tag statt. Die vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) organisierte Veranstaltung stieß auf große Resonanz und war sehr gut besucht. Teilgenommen haben Unternehmerinnen und Unternehmer des Garten- und Landschaftsbaus, Landschaftsarchitektinnen und -architekten, Vertreterinnen und Vertreter aus Planung, Verwaltung, Forschung und Lehre, Mitarbeitende von Städten und Gemeinden, Aussteller sowie zahlreiche Interessierte aus Thüringen und den benachbarten Bundesländern. Auch der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen (FGL), der Landesverband Gartenbau Thüringen sowie Vertreterinnen und Vertreter des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum waren präsent.
Zudem nahmen die Schülerinnen und Schüler der Fachschule Garten- und Landschaftsbau, darunter angehende Meisterinnen, Meister und Technikerinnen, Techniker, zahlreich teil und nutzten den Fachtag als praxisnahe Ergänzung zu ihrer Ausbildung.
Eröffnet wurde der Fachtag von Peter Ritschel, Präsident des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, und Josephine Dowidat (TLLLR). In seiner ausführlichen Eingangsrede stellte Peter Ritschel den Garten- und Landschaftsbau in den Kontext zentraler gesellschaftlicher Zukunftsfragen. Er betonte, dass GaLaBau heute weit mehr sei als Gestaltung: Grünflächen seien funktionale Infrastruktur, die zur Hitzeminderung, Wasserrückhaltung, Biodiversität und Lebensqualität beitrage. Zugleich sprach er offen die wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen an, mit denen viele Betriebe konfrontiert sind – von steigenden Kosten über Fachkräftemangel bis hin zu Dokumentationspflichten und Unternehmensnachfolge. Besonders hob er die Bedeutung von Forschung, Versuchswesen und der mitteldeutschen Kooperation zwischen Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hervor, die einen schnellen Wissenstransfer in die Praxis ermöglichen.
Den fachlichen Einstieg bildete der Vortrag von Kathrin Scharsich (Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg) zum Thema „Urbane Biodiversität – vom Boden bis zur Fassade“. Sie stellte Ergebnisse aus Projekten zur Förderung urbaner Bestäuber vor und zeigte, wie durch vielfältige Pflanzkonzepte, die Kombination heimischer und nicht-heimischer Arten sowie strukturreiche Freiflächen neue Lebensräume geschaffen werden können. Ein besonderer Fokus lag auf vertikalen Begrünungssystemen, die nicht nur zur Förderung der Biodiversität beitragen, sondern auch messbare Effekte bei der Reduktion von Hitze in urbanen Räumen zeigen. Die vorgestellten Versuche verdeutlichten, dass Fassadenbegrünungen ein wirksames Instrument der Klimaanpassung sein können.
Im Anschluss präsentierte Diana Ganzert vom Kompetenzzentrum Garten- und Landschaftsbau Quedlinburg aktuelle Erkenntnisse aus den Allee- und Straßenbaumversuchen. Sie gab einen umfassenden Überblick über langjährige Versuchsreihen zu klimaresilienten Baumarten, Bewässerungsstrategien für Jungbäume, Stammschutzmaßnahmen gegen thermische Schäden sowie zur Wasserdurchlässigkeit verschiedener Baumscheibenbeläge. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung geeigneter Sortimente unter den Bedingungen zunehmend häufiger auftretender Trockenperioden und Hitzeereignisse. Die Ergebnisse zeigten, wie durch gezielte Pflanzenauswahl, Bewässerung und Pflege die Vitalität von Stadtbäumen langfristig gesichert werden kann.
Einen betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt setzte Ansgar Lienert von der WCG Consulting GmbH mit seinem Vortrag zur Unternehmensnachfolge im GaLaBau. Er machte deutlich, dass Nachfolge kein „letzter Schritt“, sondern ein langfristiger, planbarer Prozess ist. Neben fachlichen und finanziellen Aspekten rückte er insbesondere den menschlichen Faktor in den Mittelpunkt: Kommunikation, Rollenklärung und frühzeitige Planung sind entscheidend, um den Fortbestand von Betrieben zu sichern und Wertverluste zu vermeiden. Der Vortrag stieß auf großes Interesse, da viele Betriebe in den kommenden Jahren vor genau diesen Herausforderungen stehen.
Einen stark praxisorientierten Beitrag lieferte Wolf Meyer-Ricks, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für GaLaBau, mit der Vorstellung des neuen FLL-Fachberichts zum Fassadensockel. Er erläuterte typische Schadensbilder, relevante Normen und Regelwerke sowie die Schnittstellen zwischen Hochbau und Garten- und Landschaftsbau. Anhand konkreter Beispiele zeigte er auf, wie durch fachgerechte Planung, klare Leistungstrennung und sorgfältige Ausführung teure Gebäudeschäden vermieden werden können. Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie wichtig dieses oft unterschätzte Detail für die Qualität und Langlebigkeit von Freianlagen ist.
Den inhaltlichen Abschluss bildete der Themenblock „Klimawandel – Rasenwandel? Mehr Vielfalt für den Rasen der Zukunft“, präsentiert von Josephine Dowidat und Cornelia Pacalaj (TLLLR) sowie Patricia Pöpel (Fachhochschule Erfurt). Im Mittelpunkt standen neue Rasenmischungen, artenreichere Bestände und angepasste Pflegekonzepte, die den veränderten klimatischen Bedingungen Rechnung tragen. Dabei wurde aufgezeigt, wie Rasenflächen widerstandsfähiger, biodiverser und zugleich funktional gestaltet werden können.
Begleitet wurde der Thüringer GaLaBau-Tag von Ausstellern und Informationsständen, die Einblicke in Produkte, Dienstleistungen, Fortbildungsangebote und laufende Projekte gaben. Der persönliche Austausch zwischen GaLaBau-Betrieben, Planenden, Vertreterinnen und Vertretern von Kommunen, Verbänden, Ministerien sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen wurde von vielen Teilnehmenden als besonders wertvoll hervorgehoben.
Fazit und Ausblick
Der Thüringer GaLaBau-Tag 2026 bot einen fundierten und praxisnahen Überblick über die aktuellen Herausforderungen und Zukunftsthemen der Grünen Branche. Die Verbindung von Forschungsergebnissen, Versuchswesen, betriebswirtschaftlichen Impulsen und konkreten Praxisbeispielen unterstrich die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit und kontinuierlicher Weiterbildung. Der intensive fachliche Austausch zeigte, wie groß der Bedarf an fundierten Informationen und verlässlichen Netzwerken ist. Der Fachtag endete mit einem positiven Ausblick auf die weitere Entwicklung des Garten- und Landschaftsbaus und dem klaren Appell, Innovation, Kooperation und Wissenstransfer weiter zu stärken.