
Faserpflanzen
Naturfasern gewinnen aufgrund von Nachhaltigkeitsaspekten und erhöhter Nachfrage zunehmend an Bedeutung. Schwerpunkt bildet dabei der Anbau von Hanf, der überwiegend für Dämm- und Faserverbundwerkstoffe verwendet werden kann. Innovative Produkte in Kombination mit anderen natürlichen Fasern, z. B. Schafwolle befinden sich in der Entwicklung.
Hanf
Aufgrund des Ertragspotenzials, der realisierbaren Fasererträge und der aktuellen Rahmenbedingungen lassen Verwertungskonzepte zum Hanf bei wachsenden Märkten für Pflanzenfasern ökonomische Vorteile erwarten. Garantierte Rohstoffpreise von ca. 100 €/t Hanfstroh frei Aufschlussanlage könnten dem Landwirt Deckungsbeiträge in Höhe der Getreideproduktion bei mittlerem Ertragsniveau sichern und eine interessante Alternative für die Schaffung zusätzlicher Wertschöpfungspotenziale im ländlichen Raum darstellen.
Der Fasergehalt von Hanf liegt bei 20 bis 25 % und der Faserertrag bei 2 bis 4 t/ha. Neben den Pflanzenfasern sind vom Hanf das Korn sowie die anfallenden Schäben von Bedeutung. Hanf ist aus ökologischer Sicht eine wertvolle Kultur, da beim Anbau auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden kann. Hervorzuheben ist der hohe Vorfruchtwert von Hanf. Die Ernte erfolgt mit einem Mähhäcksler bzw. umgebauten Mähdrescher.
Neue Impulse der Faserpflanzenverwertung konnten mit der Entwicklung mechanischer Aufbereitungsverfahren von Kurzfasern für technische Anwendungsgebiete gesetzt werden. Eine in Deutschland zugelassene Faseraufschlussanlage befindet sich in Thüringen.
Hanf mit all seinen Koppelprodukten ist für die verschiedensten Einsätze in der Industrie, Kosmetik, Lebensmittelbranche und im medizinischen Bereich geeignet. Besonders seine Nachhaltigkeit, Anpassungsfähigkeit und guten Erträge bedingen das hohe Potenzial dieser Pflanze. Die Anbauzahlen untermauern diese Aussage. Um das Wachstum und den Erfolg der Branche zu unterstützen, braucht es effizientere, schnellere und anpassungsfähigere Maschinen zur Ernte und Verarbeitung. Somit besteht nach wie vor ein hoher Forschungsbedarf, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
Kontakt
Torsten Graf
Tel.: +49 0361 574047-103
Referat 34 - Landwirtschaftliches Versuchswesen und Nachwachsende Rohstoffe
torsten.graf@tlllr.thueringen.de
Weitere Informationen
Andere Faserpflanzen
Neben dem Hanf könnten in Thüringen auch Faserlein oder Fasernessel angebaut werden. Beide Pflanzenarten erreichen jedoch deutlich geringere Fasererträge je Flächeneinheit im Vergleich zu Hanf bei höheren Aufwendungen im Produktionsverfahren.
Im Ergebnis entstehen Fasern, deren Verwendung im hochpreisigen Sektor, z. B. Ökotextilien, spezielle Faserverbundsysteme bzw. medizintechnische Anwendungen, wirtschaftlich ist. Die Thüringer Standorte sind für einen effizienten Anbau mit stabilen Erträgen und Qualitäten eher nicht geeignet.
Gründe hierfür liegen in der typischen Vorsommertrockenheit und somit dem fehlenden Wasser in der Hauptwachstumsphase beider Pflanzen. Weitere Probleme bestehen in den fehlenden Voraussetzungen für Ernte, Logistik und Verarbeitung.

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