Wintergerste (Hordeum vulgare L.)
Wintergerste nahm im Mittel der Jahre 2019-2024 mit einer Fläche von ca. 74.800 ha in Thüringen nach Winterweizen den zweiten Platz im Anbauumfang bei Getreide ein. Ihr Anteil an der Getreidefläche lag bei ca. 21,1 %. Die Kulturart bewies unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen eine im Vergleich der Getreidearten etwas höhere Ertragsstabilität. Aufgrund ihrer frühen Abreife ist sie die prädestinierte Winterrapsvorfrucht. Wintergerste wird hauptsächlich als Futtergerste verwendet. Der Anbau von Winterbraugerste gewann in den letzten Jahren etwas an Bedeutung. In Betrieben mit hoher Druschfruchtanbaukonzentration hat Wintergerste durch die frühere Aussaat und Ernte arbeitswirtschaftliche Vorteile hinsichtlich der Entzerrung von Arbeitsspitzen.
Die mittleren Erträge 2019-2024 lagen bei ca. 73,6 dt/ha. Jährlich werden durchschnittlich rund 549.600 t Wintergerste in Thüringen geerntet.

Sommergerste (Hordeum vulgare L.)
Sommergerste wird in Thüringen fast ausschließlich als Braugerste angebaut und dient in erster Linie als Rohstoff für die Malz- und Brauindustrie. Der Anbauumfang lag im Mittel der Jahre 2019-2024 bei ca. 35.200 ha, ein Anteil von 10,0 % an der Getreidefläche. Aus marktbedingten Gründen und in Abhängigkeit der Aussaat- und Überwinterungsbedingungen von Wintergetreide schwankt ihr Anbauumfang zwischen den Jahren stärker. Aufgrund der Einhaltung der geforderten Brauqualitätsparameter ist der Stickstoffeinsatz begrenzt. Dies sowie die kürzere Vegetationszeit sind Gründe, weshalb die Sommergerste den Wintergetreidearten ertraglich unterlegen ist. Die Erträge befinden sich etwa 20-25 % unter denen der Wintergerste und betrugen etwa 55,0 dt/ha im oben genannten Zeitraum. Seit einigen Jahren wird in begrenztem Umfang der Anbau von Sommerbraugerste in Herbstaussaat praktiziert. Damit sind aufgrund der längeren Vegetationsdauer und der besseren Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit grundsätzlich Vorteile gegenüber der klassischen Frühjahrsaussaat in Hinsicht auf Erträge und Qualitäten möglich. Allerdings kann dieses Anbauverfahren auch mit Risiken und Nachteilen verbunden sein, wie z.B. Auswinterungsschäden oder etwas höherem Krankheitsbefall.
Gute Braugerstenqualitäten lassen sich mit relativ geringem Einsatz an Stickstoff, Fungiziden und Halmstabilisatoren (sofern notwendig) erzielen, wobei ein geringer Rohproteingehalt und ein hoher Vollgersteanteil wichtige Qualitäts- und Vermarktungskriterien sind. Braugerste ist eine der umweltfreundlichsten Getreidearten und kann bei entsprechendem Ertrag und Qualität einen durchaus ansprechenden Deckungsbeitrag erbringen. Allerdings wirken Angebot und Nachfrage am Markt bei keiner anderen Getreideart so stark wie bei Braugerste.

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