Bäume bzw. ganze „Baum-Systeme“ auf landwirtschaftlichen Flächen bieten Verdunstungsschutz, Erosionsschutz, Schutz vor Stoffaus- bzw. -einträgen und bieten die Möglichkeit zur Kohlenstoffspeicherung. Die Diversifizierung der Produktion und der Wertschöpfung durch derartige Systeme geht mit der Erhöhung der Biodiversität und Beiträgen zum Biotopverbund ebenso einher, wie Möglichkeiten zur Tierwohlverbesserung (Schattenbäume auf Weideflächen, Unterschlupf und Schutz vor Raubvögeln) und zur Produktion von nachhaltigen CO2-neutralen Rohstoffen.
Schätzungen gehen davon aus, dass ab dem Jahr 2030 ein signifikant geringeres Holzaufkommen zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass eine wachsende Lücke zwischen nachhaltigen Rohstoffpotenzialen und der Nachfrage nach Holz erwartet wird.
Warum sind dann in Thüringen nur auf knapp 100 ha derzeit Kurzumtriebsplantagen etabliert (92 ha im Jahr 2023)? Zwar gibt es seit diesem Jahr auch die ersten beihilfefähigen Agroforstsysteme (14 ha sind beantragt), dennoch ist das Potenzial bei weitem nicht ausgeschöpft.
Dies liegt an verschiedensten Gründen, die Experten auf einer gemeinsam von der Fachhochschule Erfurt und vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum ausgerichteten Tagung heute in Erfurt diskutieren. Genannt wird u. a. der in Thüringen hohe Anteil an Pachtflächen (ca. ¾) teils mit nicht hinreichend langen Pachtverträgen. Fehlende Verfügbarkeit von Spezialtechnik für Pflanzung und Ernte beim Landwirt aber auch die Diskussion auf EU-Ebene zur Nachhaltigkeit von Holz als Energieträger und die Diskussionen um die Feinstaubemission sind Risiken für die Errichtung von Kurzumtriebsplantagen bzw. Agroforstsystemen.
Der Präsident des Landesamtes Peter Ritschel äußerte sich dennoch optimistisch: „Trotz aller aktuellen Schwierigkeiten und Hürden denke ich, dass der Anbau schnellwachsender Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen eine sehr überlegenswerte Anbaualternative für Landwirte ist, um eine Vielzahl ökologischer Anforderungen zu erfüllen und den Betrieb und dessen Einnahmemöglichkeiten gleichzeitig breiter aufzustellen.“