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32. Thüringer Obstbautag im Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau Erfurt


Herausforderungen gilt es in Bezug auf Arbeitskräftesituation, Pflanzenschutz, richtige Sortenwahl, Ca-Versorgung, Bewässerung und vielfältigen Neuerungen zu meistern

Zuhörerschaft auf dem Obstbautag 2024
Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Obstbautag 2024
Referenten des Thüringer Obstbautages 2024
Referenten am Obstbautag 2024
Veranstaltung des Thüringer Obstbautages 2024

Dr. Martin Penzel, Referent für Obstbau beim gastgebenden TLLLR, begrüßte am 24.01.2024 die ca. 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und übergab das Mikrofon an Anne Buhlau, Referatsleiterin Pflanzliche Erzeugung und Markt, Ökologischer Landbau, im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. Sie informierte über die Entwicklung von Ertrag und Anbauflächen der wichtigsten Obstkulturen im Freistaat in den letzten Jahren und gab einen Überblick über aktuelle Fördermöglichkeiten, u. a. Mehrgefahrenversicherung im Gartenbau und die aktuelle Anzahl an eingegangenen Anträgen.

Über die berufsständische Arbeit vom Landesverband Gartenbau in Thüringen und die Arbeit der Fachgruppe Obstbau informierte Axel Swoboda, Geschäftsführer der Kindelbrücker Obstbau e. G. Er wies auf die vielfältigen Herausforderungen für die Betriebe hin. Besonders im Bereich Pflanzenschutz ist zukünftig von einem starken Rückgang von zugelassenen Mitteln auszugehen, der mehr Notfallzulassungen nach Art. 53 Pflanzenschutz erfordert. Die schrittweise Reduktion der Agrardieselvergütung führt weiterhin zu einer Mehrbelastung von deutschen Betrieben im Vergleich zu anderen EU-Ländern und verzerrt somit den Wettbewerb. Der Berufsstand hat sich zu zahlreichen Terminen mit Politikern u. a. Ministerin Karawanskij getroffen, um auf diese Situation hinzuweisen. Positiv waren im letzten Jahr die erzielten Preise bei den Süßkirschen. Diese waren überdurchschnittlich hoch, wegen des verregneten Sommers in Südeuropa.

Martin Balmer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz (Rheinbach) beschäftigte die Frage, wie Obst, genauer Kirschen und Zwetschgen, trotz steigender Produktionskosten weiterhin konkurrenzfähig bleiben können. Dabei wurden in Versuchen die verschiedenen Erziehungssysteme und Schnittmaßnahmen auch in Bezug auf Ersparnis bei Arbeitskraftstunden untersucht. Die Anbausysteme spielen dabei nicht allein eine Rolle, sondern funktionieren nur, wenn produktive Sorten, mit regelmäßig hohen Erträgen in einer guten Qualität, eingesetzt werden. Dazu hat er die Ergebnisse der Sortentestung aus den letzten Jahren präsentiert und gezeigt, welche von den modernen Sorten diese Voraussetzungen erfüllen und vom DLR empfohlen werden.

Eine Kostenrechnung präsentierte Margret Wicke (ebenfalls vom DLR Rheinpfalz) und verdeutlichte, dass bei Äpfeln neben dem Ertrag sowohl die Sorte als auch die Produktqualität einen großen Einfluss auf den erzielbaren Umsatz je Hektar hat. Beim Betriebsvergleich kam zudem heraus, dass die erfolgreichsten der teilnehmenden Betriebe Erträge hatten, die um fast 10 t/ha höher waren als die aus dem unteren Drittel. Frau Wicke zeigte zudem, dass von den Produktionskosten bei Äpfeln 52 % auf die Ernte entfallen. Durch höhere Erträge in der Anlage, einen hohen Anteil an Premiumfrüchten und kleinen Eingriffen bei der Arbeitsorganisation, z. B. die Greifwege zu verringern, können die Kosten der Ernte auf das Produkt umgerechnet, reduziert und somit insgesamt Kosten gespart werden.

Dr. Martina Jakob (Leibniz Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e. V., Potsdam) stellte Versuche und Ergebnisse des Einsatzes von Exoskeletten im Gartenbau vor. Sie erläuterte einige Hindernisse, die bei den Testungen auftraten und die bei dem generell relativ neuen Wissensfeld noch auf die Hersteller zukommen und damit die Akzeptanz der Exoskelette erhöhen kann. Ziel des Einsatzes der Exoskelette sei, präventiv Beschwerden im Bereich des Muskel-Skelett-Systems zu verhindern und dadurch langfristig eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine mögliche Produktivitätssteigerung zu erreichen. Dr. Jakob vertrat eindringlich den Standpunkt, dass Langzeituntersuchungen die Nutzung und den Einsatz voranbringen würden.

Mit der bedarfsgerechten Bewässerung von Süßkirschen setzte Dr. Martin Penzel die Veranstaltung fort. Er betonte die Wichtigkeit von Bewässerung, besonders während der Zellstreckungsphase der Früchte und zeigte, dass Süßkirschen in trockenen Gebieten wie Thüringen nur mit Bewässerung erfolgreich angebaut werden können.

Dr. Andreas Winkler, Obstbauversuchsstation Müncheberg, referierte zum Thema Calcium-Versorgung bei von Süßkirschen. Kommt eine Ca-Blattdüngung zum Einsatz, kann das die Festigkeit der Früchte erhöhen. Zudem ist die Aufnahme von Calcium während der ersten Wochen der Fruchtentwicklung am höchsten. Durch eine ausreichende Wasserversorgung während dieser Zeit kann der Ca-Transport in die Frucht über das Xylem sichergestellt werden.

Christian Kröling, vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden, umriss die Möglichkeiten und Grenzen des maschinellen Schnittes beim Apfel. Auch hierbei ging es um eine Einsparung von Arbeitskraftstunden, wobei ein manueller Korrekturschnitt als weiterhin wichtige Pflegemaßnahme herausgestellt wurde. In Bezug auf die Fruchtgrößenverteilung ist ein maschineller Schnitt entweder direkt nach der Ernte oder zum Stadium Rote Knospe zu empfehlen. Ein Schnitt nach der Blüte stellte sich als nachteilig für das Fruchtwachstum heraus.

Eveline Maring (Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, Erfurt) stellte die Biologie von Fruchtstechern im Kern- und Steinobst und mögliche Gegenmaßnahmen vor. Fruchtstecher beim Kernobst traten in den letzten Jahren gehäuft auf und verursachten Lochfraß an Knospen und Blüten sowie abgefressene Fruchtstiele, was zum Blüten- bzw. Fruchtabwurf führen kann. Die Fraßstellen an den Früchten sind zumeist an der zylindrischen Kraterform zu erkennen. Zur gezielten Bekämpfung gehören regelmäßige Kontrollen, um den Befall festzustellen und frühzeitiges Agieren mit Pflanzenschutzmitteln.

Den abschließenden Vortrag zu geeigneten Unterlagen für den Nachbau von Süßkirschen hielt erneut Dr. Martin Penzel. Er zeigte, dass mittelstarkwachsende Unterlagen bei Süßkirschen aufgrund des stärkeren Triebwachstums im Vergleich zu schwachwuchsinduzierenden Unterlagen auch zu größeren Fruchtkalibern auf Nachbauflächen führen können. Daher sind diese besonders für Nachbaubedingungen zu empfehlen.

Der Obstbautag wurde von Betriebsleitern, Beratern, Vertreten von Firmen, Bediensteten der Landwirtschaftsverwaltung und privaten Beratern besucht.

Kontakt

Torsten Weidemann

Pressesprecher
Tel.: +49 361 574041-135
Fax: +49 361 572041-390 ed.negnireuht.rlllt[ta]elletsesserp

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