Trotz der vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten (Fasern, Öl, Leinsamen) hat der Lein (Linum usitatissimum L.) aktuell nur eine geringe Anbaubedeutung (2022: 5.100 ha in Deutschland; 250 ha in Thüringen; Destatis und InVekos). Knapp die Hälfte der Anbaufläche wird mittlerweile unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Die Pflanze ist eher anspruchslos und die Leinsamen können aufgrund des hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren (α-Linolensäure) als hochwertiges Lebensmittel vermarktet werden. Flachsanbau zur Fasernutzung gibt es kaum noch. Zur Ölgewinnung kommen verzweigte, großkörnige Sorten (hohe Tausendkornmasse) mit niedriger Wuchshöhe und hohen Ölgehalten zum Einsatz. Die meisten der verfügbaren Sorten sind braunsamig. Daneben gibt es noch wenige gelbsamig gezüchtete Sorten (auch `Goldleinsamen`), die aufgrund des höheren Quellvermögens und Omega-6-Fettsäuregehalte vor allem als `Diätlein` oder als Backzutat Verwendung finden. Die braunsamigen Sorten werden meist zur Ölgewinnung eingesetzt.
Der Lein ist selbstunverträglich (mind. 5 Jahre Anbaupause), kann in der Fruchtfolge aber nach fast jeder Kulturpflanze, außer Sonnenblumen und Raps, auf nahezu allen getreidefähigen Standorten stehen. Der Lein erfordert zur Saat ausreichend Feuchtigkeit sowie ein gut abgesetztes, feinkrümliges Saatbett. Herausforderungen beim Anbau sind die Etablierung gleichmäßiger Bestände, die langsame Jugendentwicklung und dadurch geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern (mehrmaliges Striegeln bzw. Hacken erforderlich) sowie eine mögliche Schädigung durch Lein-Erdflöhe im Auflaufstadium der Pflanzen. Auch die Ernte kann z. T. problematisch sein (starke Reifeverzögerung im Stroh, zähes Stroh), wobei auch der Schwaddrusch eine mögliche Alternative bietet.
Die Qualitätseigenschaften haben bei der Vermarktung des Leins einen hohen Stellenwert. Sorten- und standortabhängige Einflussfaktoren können sich auf den Omega-3-Fettsäurengehalt ebenso auswirken wie die Überschreitung der Grenzwerte von gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen, wie Blausäure und Cadmium. Um diesen Qualitätsschwankungen nachzugehen sowie neue Alternativen für die Nebenprodukte der Ölleinproduktion zu finden, startete 2020 das Forschungsvorhaben Linovit (2020-2024) des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik e.V. (DIL) und der Universität Bonn. Im Rahmen der Projekterweiterung 2021 (Linovit Grow) kam es zur Aufnahme der Öko-Landessortenprüfung Sommerlein unter ökologischen Anbaubedingungen in Thüringen (TLLLR), Sachsen (LfULG) und Sachsen-Anhalt (LLG), mit dem Ziel, genotypische Effekte auf spezielle Inhaltsstoffe (Fokus Blausäure) abzuleiten. In der Anbau- und Sortenprüfung stehen fünf bis sechs Sorten an bis zu drei Standorten. Erste Ergebnisse der Öko-Landessortenversuche zu Sommeröllein (2021-2022) sind seit Kurzem verfügbar. Die Kornerträge der letzten beiden Jahre lagen im Sortenmittel zwischen 10 und 20 dt/ha. Die Ölgehalte schwankten zwischen 40 und 45 %. Bei der Blausäureuntersuchung zeichneten sich deutliche Sortendifferenzierungen ab, weitere Untersuchungen sind abzuwarten.
Das Linovit-Grow-Projekt und der Sommerölleinversuch wurden auch zum diesjährigen Öko-Sommerfeldtag in Mittelsömmern vorgestellt. Dort finden sie auch den Sortenpass des aktuellen Prüfsortiments Sommerölleinsorten 2023.
Kontakt für weitere Fragen zu Sorten und Anbauverfahren im ökologischen Landbau: ines.schwabe@tlllr.thueringen.de und julia.bader@tlllr.thueringen.de