Dr. Martin Penzel, Referent für Obstbau, eröffnete die Veranstaltung und referierte über Züchtung, Sortenwesen und Sortenerhaltung bei Äpfeln.
Der heutige Kulturapfel Malus x domestica stammt unter anderem vom Wildapfel Malus siversii ab, der im Tian-Gebirge an der Grenze zwischen Kasachstan und China beheimatet ist. Von dort verbreitete sich Malus siversii über die Seidenstraße bis nach Europa und kreuzte sich dabei mit anderen Wildapfelarten. Unser Kulturapfel ist also ein Hybridkomplex aus mehreren Apfelarten.
Im Laufe der Jahrhunderte entstanden immer wieder neue Apfelsorten durch Auslese einzelner Bäume, deren Früchte besondere Eigenschaften aufwiesen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Grundlagen der Vererbung von Eigenschaften entdeckt wurden, gibt es weltweit Programme zur systematischen Züchtung von Äpfeln mit dem Ziel, den Anforderungen der Produzenten, des Marktes und der Konsumenten gerecht zu werden. In den heutigen Zuchtprogrammen sind insbesondere die Zuchtziele gleichmäßiger Ertrag, lange Lagerfähigkeit und Resistenz gegen pilzliche Schaderreger von Bedeutung.
Danach gab Dr. Silvia Krug von der Landesgruppe Thüringen vom Pomologenverein den Teilnehmer*innen eine Einführung in die Pomologie von Äpfeln. Sie erklärte ihre Herangehensweise zur Erkennung von verschiedenen Sorten anhand von Merkmalsklassifizierungen. Die verschiedenen Sorten können unter anderem anhand der Fruchtform, der Form der Stielgrube oder der Beschaffenheit der Fruchtoberfläche unterschieden werden. Weitere Merkmale sind die Berostung der Frucht, die Form des Kerngehäuses, die Form und Farbe der Kerne oder die Öffnung des Kelches. Schwierig zu bestimmen sind Früchte, die eine sortenuntypische Färbung oder Form aufweisen, z. B. bei Schattenfrüchten, bei denen die rote Deckfarbe nicht ausgeprägt ist. Daher ist die Fruchtform für die Bestimmung wichtiger als die Farbe der Schale.
Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde die Apfelsortensammlung des LVG mit derzeit 150 alten und neuen Apfelsorten besichtigt. Die Sammlung ist Teil der Deutschen Genbank Obst (DGO), einem Netzwerk von 75 privaten und öffentlichen Sammlungen zu sieben verschiedenen Obstarten. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, die genetische Vielfalt des Obstes für zukünftige Generationen zu erhalten.