Soja wurde lange Zeit als exotische Pflanze mit unzureichender Anbaueignung für Mitteleuropa betrachtet. Mittlerweile wird diese Kultur, bedingt durch die züchterischen Erfolge der letzten Jahre, verbesserte Anbau- und Erntesysteme und nicht zuletzt durch den Klimawandel, vielerorts in Deutschland erfolgreich angebaut. Die stetige Klimaerwärmung geht mit einer Verlängerung der Vegetationsperiode zugunsten wärmeliebender Kulturen wie der Sojabohne einher. In Dornburg (Thüringen) beispielsweise verlängerte sich die Vegetationsperiode seit 1994 um ganze 28 Tage.
Prognosen zufolge könnten in Thüringen mittlerweile etwa 313.000 Hektar der Fläche für den Sojaanbau geeignet sein. Um die Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern, muss der Ertrag – oder der Preis – weiter gesteigert werden. Im diesjährigen Landessortenversuch am Standort Dornburg bspw. konnten im Durchschnitt über alle Sorten hinweg Erträge von 4,2 t/ha erreicht werden, der aktuelle 5-Jahresertrag für Thüringen beträgt 2,1 t/ha. Bei einem gesamtdeutschen Bedarf von etwa 2,9 Millionen Tonnen an Soja für die Futtermittelproduktion pro Jahr könnte Thüringen also einen Beitrag zur Versorgungssicherheit unseres Landes leisten.
Das Jahr 2022 kennzeichnete mit ca. 51.500 Hektar Sojaanbaufläche in Deutschland den bisherigen Höhepunkt des Sojaanbaus und läutete gleichzeitig eine Trendumkehr ein, denn seitdem sinkt die Anbaufläche wieder. Die Gründe dafür konnten bisher nicht eindeutig identifiziert werden. Bayern bleibt nach wie vor mit über 20.000 Hektar führend im Anbau, gefolgt von Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. 
Thüringer Landwirtinnen und Landwirte zeigen sich weiterhin eher verhalten, wenngleich sich die Anbaufläche hier seit 2016 vervielfachen konnte und sich entgegen dem deutschlandweiten Trend seit 2022 auch stabil hält. Ein limitierender Faktor für die weitere Ausdehnung des Sojaanbaus in Thüringen bleibt die Vermarktung. Die bisher nächstgelegenen Verarbeitungsstandorte für konventionelle Ware liegen in Mainz und Straubing, für ökologische Ware noch weiter entfernt. Dies verursacht hohe Transportkosten, was wiederum die Wirtschaftlichkeit des Anbaus dieser Kultur signifikant beeinflusst. Doch hier geschieht etwas: neue Erfassungsstandorte, bspw. in Magdeburg, werden in Betrieb genommen und Erzeugerorganisationen versuchen, Ware zu bündeln. Alternativ sollte das Erzeugnis möglichst auf dem eigenen Betrieb als Futter verwertet werden, doch auch hier mangelt es an Infrastruktur, da für die Fütterung von Monogastriern die Sojabohnen vorher getoastet werden müssen, um deren antinutritiven Inhaltsstoffe zu inaktivieren. Nur wenige Betriebe besitzen bisher derartige Anlagen oder stellen das Toasten als Dienstleistung zur Verfügung. Für kleinere Partien lassen sich dennoch schon mobile Toastanlagen aus den umliegenden Bundesländern beauftragen. Alternativ kommt die direkte Fütterung der Bohnen an Polygastrier unter Anpassung des Fettgehalts der Ration infrage.
Um den genannten Erschwernissen zu begegnen, umfangreiche Fachexpertise zu geben und die Akteure der mitteldeutschen Sojaszene zu vernetzen, veranstaltet das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum am 18.11.2024 den „Mitteldeutschen Sojatag: Verarbeitung, Fütterung und Vermarktung im Fokus“ in Kauern. Die Veranstaltung findet im Rahmen des bundesweiten Demonstrationsnetzwerks für großkörnige Leguminosen „LeguNet“ und in Kooperation mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie dem Naturland e.V. statt.
Um eine Anmeldung per Mail an sebastian.pietschmann@tlllr.thueringen.de oder Telefon über +49 361 574041-416 bis zum 17.11.2024 wird ausdrücklich gebeten, da die Teilnehmeranzahl limitiert ist.
Text: Sebastian Lahr (TLLLR), Sebastian Pietschmann (TLLLR, LeguNet)
Hinweis: In einer vorherigen Version des Textes waren abweichende Angaben zum Anbaupotential in Thüringen und zur deutschen Sojaanbaufläche 2022 enthalten. Die Daten wurden korrigiert.