Seitenbeginn Zur Hauptnavigation Zum Seiteninhalt

Getreideanbau in Thüringen


Zum Tag des deutschen Brotes am 5. Mai stellte unser Getreideexperte Christian Guddat einige Daten und Fakten zum Anbau des wichtigsten Rohstoffes für das Grundnahrungsmittel zusammen.

Weizenähren zu Beginn der Reife vor blauem Himmel

In Thüringen wurde im Erntejahr 2022 auf insgesamt 359.700 ha Getreide produziert (59,5 % der Thüringer Ackerfläche), was einem Anteil von knapp 6 % der deutschen Getreidefläche entsprach. 

Getreide wird in Deutschland mit knapp 54 % zu großen Teilen als Futtermittel verwendet. Als Nahrungsmittel werden etwa 23 % des Getreides genutzt. Von geringerer Bedeutung bei der Getreideverwendung sind Energie (9,5 %), Industrie einschl. Brauwesen (8 %), Saatgut (2,4 %) und Verluste (3,5 %). Die Exporte (10,5 Mio. t) und Importe (11,1 Mio. t) von Getreide hielten sich 2022 in etwa die Waage. 

Die klassischen Brotgetreidearten Weizen (Winterweichweizen, Sommerweichweizen, Dinkel und Roggen) nahmen in Thüringen im Erntejahr 2022 eine Fläche von 212.300 ha in Anspruch (59,0 % der Thüringer Getreidefläche). Bundesweit bedeutete dies einen Anteil von 6 %. 

Bei diesen Getreidearten war Deutschland zuletzt Selbstversorger bzw. weitgehend Selbstversorger (Wirtschaftsjahr 2021/2022: Selbstversorgungsgrad Weichweizen 126 %; Selbstversorgungsgrad Roggen 98 %). 

Roggen spielt in Thüringen, 2022 mit einer Anbaufläche von ca. 8.600 ha (2,4 % der Getreidefläche), eine vergleichsweise geringe Rolle. Roggen wird aber auch in Thüringer Mühlen vermahlen. Von deutlich größerer Bedeutung ist Weichweizen, der 2022 eine Anbaufläche von ca. 203.700 ha (56,6 % der Getreidefläche) aufwies. Dabei ist Sommerweichweizen mit einer Anbaufläche von nur 4.500 ha eher zu vernachlässigen. Die statistischen Angaben für die Anbaufläche von Winterweichweizen mit 199.300 ha beinhalten auch Dinkel. Dabei ist die Dinkelfläche, bei jährlich stärkeren Schwankungen, mit einem Anteil von etwa 5 % einzuschätzen.

Zur Ernte 2022 wurden in Thüringen 1,43 Mio. t Weichweizen (Winterweichweizen, Sommerweichweizen, Dinkel) erzeugt, was einem Anteil von 6,4 % der bundesweiten Erntemenge 22,50 Mio. t) entsprach. Bei Roggen betrug die Erntemenge in Thüringen 56.200 t, gleichbedeutend einem Anteil von 1,8 % der deutschen Roggenernte (3,17 Mio. t). 

Im bundesweiten Vergleich zeichnet sich Thüringen in der Erzeugung von Winterweizen mit einem besonders hohen Anteil an Elite- und Qualitätsweizensorten (Qualitätsgruppen E und A) aus. Diese Sorten haben einen Anteil von über 90 % an der Thüringer Weizenproduktion. Es werden damit Rohstoffe zur Herstellung bester Mehle bereitgestellt. 

Die überdurchschnittliche Qualität der in Thüringen erzeugten Winterweizenpartien belegen die jährlichen Untersuchungen des Max Rubner-Institutes. In wichtigen Qualitätsparametern, wie Backvolumen, Rohproteingehalt, Sedimentationswert, Feuchtklebergehalt oder Fallzahl, liegt Thüringer Weizen über dem bundesweiten Durchschnitt und meist sogar an der Spitze. 

Perspektivisch stellt sich die Frage, ob weiterhin Weizenpartien mit diesen hohen Qualitäten durch die Landwirtschaft bereitgestellt werden können. Die Verringerung der Stickstoffdüngung, bedingt durch gesetzliche Vorgaben und/oder hohe Preise für Stickstoffdünger, führt grundsätzlich zu Absenkung der Weizenqualität. Dies gilt insbesondere für den Rohproteingehalt, wobei dessen Einfluss auf die Backqualität seit einigen Jahren in der Diskussion steht. Es gibt Winterweizensorten, die auch bei nur mittleren bis geringeren Rohproteingehalten eine hohe Backfähigkeit besitzen. Insgesamt zeigen jedoch die Qualitätsanalysen des Max Rubner-Institutes mehrheitlich eine Abnahme der Backfähigkeit bei geringeren Rohproteingehalten, gemessen am Backvolumen mittels Rapid-Mix-Test. Dies drücken vor allem die Daten des Erntejahres 2022 mit niedrigeren Rohproteingehalten und gleichzeitig geringeren Backvolumina aus. Abzuwarten ist, ob sich dieser Trend in den folgenden Jahren weiter verstetigt. Darüber hinaus werden jedoch zum Teil auch langfristig Partien mit hohen Rohproteingehalten zur Herstellung von Spezialmehlen benötigt. Zudem ist der Rohproteingehalt und dessen Höhe nach wie vor Erfassungs- und Preisbildungskriterium des Handels und deshalb auch für die Landwirtschaft weiterhin bedeutsam.

Eine detaillierte Bewertung zur Vermahlung von Brotgetreide in Thüringen ist nicht möglich. Bereits seit mehreren Jahren wird die Mühlenwirtschaft in Thüringen mit dem Bundesland Sachsen-Anhalt zusammengefasst. Aktuell sind hier derzeit 11 der 181 meldepflichtigen deutschen Mühlen registriert. In den beiden Bundesländern werden ca. 12-13 % (1,2 Mio. t) der Getreidemenge in Deutschland (9 Mio. t) vermahlen, auch der Anteil an der Mehlherstellung liegt bundesweit bei 12 %. Wo das in Deutschland erzeugte Mehl verwendet wird, wohin Mehlexporte oder Mehlimporte erfolgen, lässt sich nicht konkret feststellen. Dazu existiert keine statistisch gesicherte Datenlage. Die aus Mehl erzeugten Produkte (Brot, Backwaren, Teigwaren, andere) sind insgesamt unabhängig von der Region der Mehlherstellung. Zum Teil bestehen jedoch regionale Wertschöpfungsketten. Deutschland exportiert mehr Mehl als es importiert, so dass grundsätzlich eine gute Versorgungslage besteht. 

Neben den obigen Anmerkungen zu Stand und Perspektiven der Weizenqualität besteht ein weiterer, sehr bedeutender Problembereich in den insbesondere seit 1 Jahr gestiegenen Kosten/Preisen. Dieser betrifft die Wertschöpfungskette in ihrer Gesamtheit, beginnend mit gestiegenen Kosten in der Produktion von Düngern, Pflanzenschutzmitteln und Saatgut, daraus resultierend höheren Produktionsmittelkosten in der Landwirtschaft, höheren Preisen für die in der Landwirtschaft erzeugten Rohstoffe für Mühlen und nachfolgend Bäckereien bis hin zu höheren Preisen für die Verbraucher am Endprodukt. Wesentliche Ursachen der Verteuerung entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind höhere Löhne, Transport- sowie insbesondere Energiekosten und letztlich damit verbunden höhere Steuerabgaben. Ein zweiter maßgeblicher Problembereich sind fehlende Arbeitskräfte bei allen Gliedern der Wertschöpfungskette.

Unter Berücksichtigung wöchentlicher und regionaler Schwankungen verdoppelten sich die Erzeugerpreise für Brotgetreide in Thüringen im Jahr 2022 im Vergleich zu 2020. Die Preissteigerung betrug für Eliteweizen 97 %, für Qualitätsweizen 94 %, für Brotweizen 85 % und für Mahl- und Brotroggen 104 %. Diese Steigerungen waren in etwa mit denen des Bundesgebietes vergleichbar. 

Ein deutlicher Preisanstieg war innerhalb der letzten 2 Jahre bei den Betriebsmitteln in der landwirtschaftlichen Produktion festzustellen. So stiegen die durchschnittlichen Kosten für Pflanzenschutzmittel von 2021 zu 2022 um ca. 10 %, für 2023 ist ein weiterer Anstieg um durchschnittlich 15 % gegenüber dem Vorjahr zu erwarten. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine und den sprunghaft gestiegenen Energiekosten ging eine Verteuerung der Kosten für Düngemittel einher. So wurde Anfang März 2022 fast eine Vervierfachung des Standard-Stickstoffdüngers KAS gegenüber März 2021 registriert. Mittlerweile sind die Preise für Stickstoffdünger wieder gefallen. Sie liegen jedoch immer noch 150 EUR/t KAS über dem Niveau von März 2021. 

Die Anzahl der Betriebe und Beschäftigten im Bäckerhandwerk in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerkes e.V. sank die Anzahl der Betriebe von 12.611 im Jahr 2014 kontinuierlich auf nur noch 9.965 im Jahr 2021. Zudem hat das Bäckerhandwerk in Thüringen mit enormen Kostensteigerungen für Energie, Treibstoffe und Mehl sowie gestiegenen Lohnkosten zu kämpfen. 

Kontakt

Torsten Weidemann

Pressesprecher
Tel.: +49 361 574041-135
Fax: +49 361 572041-390 ed.negnireuht.rlllt[ta]elletsesserp

Diese Seite teilen

Weitere Werkzeuge