Alternative Körnerleguminosen zeigen ihr Potenzial
Ein Praxisbetrieb des „LeguNet“ probiert sich im Anbau von Trockenbohnen
Am 01.07.2025 lud die Gönnatal-agrar eG gemeinsam mit dem TLLLR und dem bundesweiten Projekt „LeguNet“ zur Feldbegehung zum Thema „Anbau alternativer Körnerleguminosen“ ein. Über 25 Interessierte aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Vermarktung, Saatgutbranche und Forschung kamen zu diesem Anlass für einen produktiven Austausch zusammen.
Die Gönnatal-agrar eG hatte sich in diesem Jahr erstmals dazu entschlossen, vier verschiedene Bohnensorten der Gattung Phaseolus auf knapp 10 ha Fläche auszusäen. Das Ziel ist dabei klar: die Vermarktung des Ernteguts für die Humanernährung. Die hohe Nachfrage nach derartiger Ware durch Verarbeiter und Endkunden sowie die zunehmende Anbauwürdigkeit aufgrund klimatischer Veränderungen liefern hierfür die Impulse.
Herr Tristan Sammer (Gönnatal-agrar eG) führte über die entsprechenden Flächen und erläuterte seinen bisherigen Umgang sowie seine Erfahrungen mit dieser Kultur. Die aktuellen Bestände stimmen Herrn Sammer zuversichtlich und lassen auf einen guten Ertrag hoffen. Neben verschiedenen Sorten werden auch unterschiedliche Saatstärken getestet. Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Halle wird der Anbau bis zur Ernte wissenschaftlich begleitet. Der Fokus liegt hierbei auf agrarökonomischen Fragestellungen. Aussagekräftige Ergebnisse werden Anfang 2026 erwartet.
Phaseolus-Bohnen können – abhängig von der Sorte – grün oder ausgereift geerntet werden. Die auf diesem Betrieb angebauten Phaseolus-Buschbohnen werden ausschließlich ausgereift geerntet und daher auch unter der Bezeichnung „Trockenbohnen“ geführt. Für die ursprünglich aus Amerika stammenden, wärmeliebenden und trockenstresstoleranten Trockenbohnen steigt das Anbaupotenzial – bedingt durch den Klimawandel – insbesondere in den wärmeren und trockeneren Regionen Deutschlands und somit auch in unserer Region. Der Anbauumfang von Buschbohnen zur Druschernte ist in Deutschland derzeit jedoch noch verschwindend gering – es handelt sich also um echte Pionierarbeit.
Die Aussaat dieser frostempfindlichen Kultur erfolgt erst ab einer Bodentemperatur von 10 °C, möglichst in mittelschwere Lehmböden ohne Verdichtung und Staunässegefahr. Die Aussaat kann sowohl in Drillsaat als auch in Einzelkornsaat erfolgen. Die Samen werden dabei 2–3 cm tief abgelegt – auf Blindstriegeln sollte daher möglichst verzichtet werden. Wie alle Leguminosen sind auch Trockenbohnen zur Fixierung von atmosphärischem Stickstoff befähigt. Hierfür geht die Pflanze eine Symbiose mit bodenbürtigen und meist auf die jeweilige Pflanze spezialisierten Bakterien ein. Diese sogenannten Rhizobien können – je nach Pflanzenart – bereits in ausreichender Menge im Boden vorhanden sein. Beispiele hierfür sind die Rhizobienstämme für Erbse und Ackerbohne im deutschen Raum. Für Phaseolus-Bohnen kann der hiesige Boden häufig bereits die notwendigen Rhizobien beherbergen. Zur sicheren Besiedlung der Pflanzen mit Rhizobien und damit zur Ertragsabsicherung wird eine Beimpfung dennoch empfohlen. Verschiedene Fertigpräparate sind hierfür bereits erhältlich.
Die Pflanzen weisen eine vergleichsweise langsame Jugendentwicklung auf, was das Aufkommen von Beikräutern begünstigen kann und ein gutes Beikrautmanagement erforderlich macht. Ab dem Dreiblattstadium kann hierfür gestriegelt und bis zum Reihenschluss die Hacke eingesetzt werden.
Aufgrund des späten Saattermins und der hohen erforderlichen Wärmesumme erfolgt auch die Ernte entsprechend später im Jahr. Der Erntezeitpunkt liegt – je nach Sorte und Witterung – zwischen Mitte September und Ende Oktober. Der Hülsenansatz ist häufig niedrig, was bei der Flächenwahl und der Erntetechnik berücksichtigt werden sollte. Kornbruch erschwert die Vermarktung erheblich. Um diesen zu vermeiden, sollte möglichst nicht zu trocken geerntet und gereinigt werden. Schwaddrusch ist mit geeigneter Technik möglich. Auch wenn bei guter Qualität der Ernteware ein hohes Vermarktungspotenzial besteht, sollten entsprechende Absatzwege bereits vor dem Anbau erschlossen sein. Die anwesenden Verarbeitungsfirmen unterstützen das Pilotvorhaben der Agrargenossenschaft und signalisierten bereits Interesse an der Ernteware.
In diesem Sinne wünschen wir Herrn Sammer und seinen Kollegen eine gute Ernte dieser spannenden Kultur und bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten!
Text und Fotos: Sebastian Pietschmann


