Am 22.10.2024 trafen sich knapp 100 Interessierte mit beruflich unterschiedlichem Bezug zum Thema Agroforstwirtschaft in Weimar, um sich zu informieren und zu vernetzen.
Am im Juni 2024 gestarteten und bundesweit agierenden Projekt MODEMA, das in drei Modellregionen untergliedert ist, sind 13 Partner und etwa 30 landwirtschaftliche Betriebe beteiligt. Viele von ihnen haben bereits Agroforst-Systeme etabliert, manche beginnen gerade mit deren Planung. Vereint sind sie in dem Wunsch um Diversifizierung einerseits und im Wissen um die vielfältigen positiven Einflüsse auf Boden und Klima andererseits. Um diese Wirkungen langfristig beobachten und verifizieren zu können, aber auch für Untersuchungen zur Wertschöpfung dieser Systeme, arbeiten Forschungseinrichtungen im Projekt mit. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Agroforstwirtschaft aus ihrem Nischendasein heraus in eine breite Umsetzung zu führen.
Die MODEMA-Modellregionen umfassen die Region Nordwest im östlichen und südlichen Teil von Niedersachsen, die mitteldeutschen Bundesländer in der Region Ost und die Region Süd, der Baden-Württemberg, Bayern sowie Südhessen zuzurechnen sind. Ansprechpartnerinnen für die Region Ost sind Manuela Bärwolff vom TLLLR (Sachsen-Anhalt & Thüringen) sowie Yvonne Wetzig vom LfULG (Sachsen).
Bundesweit starteten vier weitere mit MODEMA verbundene Projekte:
PappelWERT: Das Holz verschiedener Pappelsorten wird auf Materialeigenschaften und Verarbeitbarkeit geprüft, um als Alternative in der Herstellung von z. B. OSB-Platten, Sperrholz, aber auch Vollholzelementen bzw. als Stammholz z. B. in der Bauwirtschaft genutzt werden zu können.
Im Projekt SALIX-AFS stehen verschiedene Strauch-Weidensorten im Mittelpunkt. Deren Rinde soll zur Gewinnung von Salicylat (für die pharmazeutische und kosmetische Verwendung) genutzt und deren Holz (aus Weidenruten) zu maschinenverarbeitbaren Endlosfäden aufbereitet werden. Aus solchen Fäden entstehen dann textilähnliche Gewebe/Geflechte oder Verbundstoffe, z. B. für die Automobilindustrie.
Im Projekt DigAForst wird an der Erstellung eines sogenannten digitalen Zwillings für ein etabliertes AF-System gearbeitet, der Pflege und Unterhalt des AF-Systems über den Einsatz von Feldrobotern optimieren soll.
Neben der Wertschöpfung steht im Projekt AGROfloW die Auswirkung von AF-Systemen auf lokale Wasserkreisläufe im Fokus. Dürreprävention, Schutz vor Wind- und Bodenerosion sowie Schutz von Kommunen vor Hochwasserschäden sind hierbei Schwerpunkte.
Beim nachmittäglichen Besuch der neu angelegten Agroforstfläche des TLLLR gab es Gelegenheiten zum fachlichen Austausch, die intensiv und ausgiebig genutzt wurden. Nicht nur dabei wurde klar, dass das Wissen um die Wichtigkeit solcher Systeme in der Politik angekommen ist. Jetzt sind unbürokratische und für alle Beteiligten praktikable Rahmenbedingungen gefragt.
Die zentrale Koordinierungsstelle des Projektes MODEMA liegt beim Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e. V. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, Förderkennzeichen 2222NR061).