Mittelsömmern: Alternative Anbauverfahren im ökologischen Landbau
Unter welchen Bedingungen können Direktsaatsysteme im ökologischen Landbau funktionieren?
Diese und weitere Fragen zu Aussaattechniken, Sortenwesen und Saatgutrecht wurden auf dem jährlich stattfindenden „Sommerfeldtag ökologischer Landbau“ in Mittelsömmern mit viel Fachwissen diskutiert. Rund 50 Besucher kamen zu diesem Anlass auf den Hof der Familie Marold, der neben dem eigenen Pflanzenbau auch Flächen für die Sortenversuche des TLLLR zur Verfügung stellt und seit diesem Jahr Demonstrationsbetrieb des Praxiszentrums ökologischer Landbau (PÖL) des TLLLR ist. Die Veranstaltung fand gemeinsam mit der Gäa e.V. in Kooperation mit der Marktgemeinschaft Ökoflur GmbH, dem Thüringer Ökoherz e.V. und dem Bioland e.V. statt.
Verfahren wie die Direktsaat oder Streifenbearbeitung können als extensive Formen der konservierenden Bodenbearbeitung angesehen werden, gehen aber aufgrund des erhöhten Beikrautdrucks zumeist mit dem Einsatz von Herbiziden einher. Eine Anwendung dieser Verfahren ist unter anderem deshalb im ökologischen Landbau recht selten.
Jan-Hendrik Cropp gilt als Experte im Bereich Direktsaatsysteme und ist als Berater in der Wissenschaft und Praxis eingebunden. Im Rahmen des theoretischen Teils der Veranstaltung zeigte er, wie diese Anbausysteme maßgeblich zum Humusaufbau und der langfristigen Nährstoffnachlieferung im ökologischen Landbau beitragen können. Eine vollständige Umstellung auf Direktsaatsysteme in der ökologischen Erzeugung empfiehlt er jedoch mit der aktuell verfügbaren Pflanzenschutztechnik nicht. Auf Flächen mit wenig Beikrautdruck und an geeigneten Stellen in der Fruchtfolge kann sich der Einsatz dieser Anbausysteme jedoch lohnen, vor allem im Hinblick auf die ökologischen Vorteile und gegebenenfalls auch den geringeren Arbeitsaufwand.
Im Rahmen der Vortragsreihe wurde über die Perspektive und den aktuellen Stand der ökologischen Pflanzenzüchtung durch die Natur-Saaten GmbH informiert. Hierbei wurde klar, dass in den letzten Jahren – für nahezu alle Kulturarten – viel Entwicklungsarbeit geleistet wurde und die genetische Grundlage ökologischer Züchtungen stetig wächst.
Das TLLLR über die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen im Umgang mit ökologisch zertifiziertem Saatgut, dem Antragsverfahren zum Einsatz von nicht ökologisch erzeugtem Saatgut und die aktuell damit einhergehende Kategorisierung der Kulturarten sowie über die aktuellen Aktivitäten des PÖL.
Im Rahmen der gemeinsamen Überfahrten zu den Versuchsflächen des TLLLR gab der Gründer des Betriebs, Dr. Ralf Marold, Einblicke in die verschiedenen Fruchtfolgen des Betriebs und teilte seine Anbauerfahrungen zu einer Vielzahl verschiedener Kulturarten, darunter eine Fülle von Sonderkulturen. An den Versuchsflächen zeigte das TLLLR die aktuellen Sortenversuche im Bereich ökologischer Pflanzenbau und erläuterte die diesjährigen Sortenempfehlungen unterschiedlicher Kulturarten.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Maschinendemonstration zur Aussaattechnik. Dort wurden die Direkt- und Mulchsaat mit verschiedenen Maschinenkonzepten von verschiedenen Herstellern vorgeführt, erläutert und diskutiert. Als Vorfrucht stand auf den Flächen Kleegras, ausgesät wurden Ackerbohnen. Für die Demonstration kamen die Maschinen „Horsch Avatar“, „Köckerling Ultima CS“, „Claydon Hybrid T4“ sowie die „Horsch Pronto“ zum Einsatz. Die drei ersten Maschinen demonstrierten, dass mit ihnen sowohl Direkt- als auch Mulchsaat möglich ist. Mit der „Horsch Pronto“ schaffte man einen Vergleich zur Direktsaat mit der betriebsüblichen Mulchsaattechnik. Alle Maschinen konnten die Ackerbohnen in guter Qualität auf den vorgesehenen Flächen ablegen. Die Demonstration wird bis zur Ernte vom PÖL weiter betreut. Ergebnisse dazu werden voraussichtlich Ende dieses Jahres im Rahmen einer PÖL-Veranstaltung vorgestellt.
Diese Veranstaltung wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau (BÖL) durchgeführt.


