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Nüsse aus der Region: Kleine Kraftpakete mit großem Potenzial


Der Tag der Nuss lädt dazu ein, mehr über die gesundheitlichen Vorteile und die nachhaltige Produktion heimischer Haselnüsse zu erfahren.

Der 22. Oktober wird inoffiziell als Tag der Nuss gefeiert. Mit diesem Tag wollen heimische Nusserzeuger ihre Arbeit in den Fokus rücken. Doch wie steht es eigentlich um die regionale Produktion in Deutschland?

Bislang ist der Nussanbau in der deutschen Landwirtschaft noch ein Nischenprodukt. Noch! Denn immer mehr Landwirtinnen und Landwirte entdecken die Potenziale dieser Kultur und setzen auf neue Sorten, die in modernen Anlagen kultiviert werden. Auch die Klimaveränderung wirkt sich überraschend positiv auf den heimischen Nussanbau aus: Sowohl Haselnüsse als auch Walnüsse bevorzugen grundsätzlich ein wärmeres Klima. Darauf reagieren immer mehr Betriebe mit nachhaltigen Anbaumethoden und innovativen Bewässerungskonzepten, um auf die sich verändernden Umweltbedingungen vorbereitet zu sein.

Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Nüssen seit Jahren kontinuierlich. In Deutschland werden im Durchschnitt jährlich über 60.000 Tonnen Haselnusskerne konsumiert. Nüsse gelten allgemein als besonders wertvolle Lebensmittel – sie liefern wichtige Nährstoffe und unterstützen eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Sie enthalten Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Spurenelemente. Untersuchungen verschiedener Haselnusssorten aus Thüringen zeigten über mehrere Jahre hinweg durchschnittliche Gehalte von 55 g Fett, 13 g Eiweiß und 12 g Ballaststoffen pro 100 g. Darüber hinaus wirkt sich der regelmäßige Verzehr laut wissenschaftlichen Untersuchungen positiv auf das Herz-Kreislauf-System und insbesondere auf die Blutfettwerte aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher, täglich eine kleine Handvoll Nüsse zu essen – zum Beispiel im Müsli, über Salate gestreut, als Snack zwischendurch oder in Form von Nussmus auf dem Brot.

Trotz dieser positiven Eigenschaften ist die Nuss in Deutschland zum allergrößten Teil Importware. Durchschnittlich verbraucht jede Person hierzulande rund 5,2 Kilogramm Nüsse pro Jahr, davon stammen etwa 95 % aus dem Ausland – vor allem aus der Türkei, den USA und Italien. Insbesondere in der Türkei wird noch überwiegend von Hand geerntet und zu deutlich geringeren Löhnen als in Deutschland. Das erschwert es heimischen Erzeugerinnen und Erzeugern, wirtschaftlich konkurrenzfähig zu produzieren.

Dennoch wäre es aus Gründen der Nachhaltigkeit sehr wünschenswert, den regionalen Anbau zu stärken. Die Nachfrage ist vorhanden und dürfte weiter wachsen – nicht nur wegen veränderter Ernährungsgewohnheiten, sondern auch durch ein zunehmendes Bewusstsein für Regionalität und Umweltverträglichkeit. Kurze Transportwege, mehr Frische und Transparenz in der Produktion sprechen für heimische Nüsse. Wer gezielt jene Kundschaft anspricht, die bereit ist, für Regionalität und Nachhaltigkeit auch einen angemessenen Preis zu zahlen, hat gute Chancen, von dieser Entwicklung zu profitieren. Wichtig sind dabei neue Wege in der Vermarktung, Mut zur Zusammenarbeit und langfristiges Engagement.

Ein gutes Beispiel für solches Engagement ist das Thüringer Innovationsprojekt Inno-Hasel, das von Februar 2018 bis Juni 2025 lief. In diesem Projekt pflanzten vier Betriebe Haselnussanlagen und arbeiteten eng mit Dr. Natalia Riemer von der Universität Kassel zusammen, um unter anderem den Haselnussbohrer näher zu erforschen. Über einen Zeitraum von vier Jahren beprobte Dr. Riemer Nüsse von neun verschiedenen Sorten. Dabei zeigten sich klare Unterschiede im Schädlingsbefall: Besonders anfällig waren die Sorten Emoa 1 und Corabel, die in allen Jahren die höchsten Befallsraten aufwiesen. Deutlich besser schnitt die Thüringer Sorte Juningia ab – sie hatte nicht nur das geringste Befallsniveau, sondern überzeugte zusätzlich durch eine attraktive rote Laubfärbung, was sie auch für den privaten Garten interessant macht.

Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass die Larven des Haselnussbohrers sich überwiegend in einer Tiefe von 30 bis 50 cm im Boden aufhalten, bevor sie sich verpuppen. Der fertige Käfer schlüpft in dieser Tiefe und gräbt sich dann an die Oberfläche.

Die im Rahmen des Projekts gepflanzten Haselnussanlagen beginnen inzwischen langsam zu tragen. Bis der Vollertrag erreicht ist, vergehen jedoch acht Standjahre – die Geduld der Betriebe ist also gefragt.

 

Ausgelegte Erntenetze im Betrieb Hof Sallach GbR, Uhlstädt-Kirchhasel (Foto: Dr. M. Penzel)

Reihe von Bäumen mit grünem Laub, einige mit weißen Netzen bedeckt, unter bewölktem Himmel und umgeben von Wald.

Haselnüsse im Angebot zum Wochenmarkt auf dem Erfurter Domplatz (Foto: Dr. M. Penzel)

Grüne Kisten mit Haselnüssen, Äpfeln und Pflaumen auf Marktstand, Preisschilder mit handgeschriebener Beschriftung

Gänse vor ausgelegten Erntenetzen im Hof Sallach GbR (Foto: Dr. M. Penzel)

Mehrere weiße Gänse stehen auf einem Weg, umgeben von Bäumen und Grünflächen.

'Hallesche Riesen' im Sortenversuch am Lehr- und Versuchszentrum Erfurt (Foto: Dr. M. Penzel)

Reihe junger Bäume mit Schutznetzen auf einem Feld unter blauem Himmel mit weißen Wolken.

Kontakt

Torsten Weidemann

Pressesprecher
Tel.: +49 361 574041-135
Fax: +49 361 572041-390 ed.negnireuht.rlllt[ta]elletsesserp

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