Seit 2013 stiegen die Jahresmitteltemperaturen an den in ganz Thüringen verteilten 24 Stationen kontinuierlich an. So zeigen auch die Daten für das zurückliegende Jahr wiederum neue Rekordwerte. 2023 war im Mittel aller Messnetzstandorte 1,6 °C wärmer als im vieljährigen Mittel (1991-2020) und 2,1 °C wärmer als im Vergleich zum vieljährigen Mittel 1981-2010. Mit diesen Resultaten wird der Höchstwert aus 2022 noch einmal leicht übertroffen. Zehn Monate des Jahres waren gemessen an den langjährigen Mittelwerten zu warm, einzig der Mai entsprach den Erwartungen, während es im April kühler war als im vieljährigen Mittel.
Oberdorla lieferte mit 37,2 °C am 09.07. den Spitzenwert in 2023, die niedrigste Temperatur von -13,1 °C wurde am 27.02. an der Haufelder Station ermittelt. Dennoch verzeichnete Thüringen den zwölften zu warmen Winter in Folge. So gab es in Schloßvippach beispielsweise nur drei Tage, an denen das Thermometer ganztags unter 0 °C blieb.
Die milden Temperaturen und damit fehlende längere Fröste beeinflussten die Bodengare negativ und begünstigten Schädlinge.
Positiv war hingegen die Summe - nicht unbedingt die zeitliche Verteilung - der Niederschläge im Vorjahr, welche die knappen Reserven im Grundwasser vielerorts nicht weiter schmälerten. An fast allen Standorten landete mehr Wasser im Regenmesser als im vieljährigen Vergleich. Thüringenweit waren es 15 % mehr als im Mittel der Jahre 1991-2020. Nur an den Stationen Haufeld, Bösleben und Ehrenhain blieben die Messergebnisse unter den Vergleichsdaten der letzten Jahrzehnte.
Das deutliche Plus an Niederschlägen war nach dem trockenen Winter und einem eher normalen Frühjahr zunächst nicht zu erwarten, obwohl die in Thüringen häufige Frühjahrstrockenheit ausblieb. Im weiteren Verlauf brachten der Sommer ab und gerade im August und der Spätherbst dann ergiebigere Niederschläge, die zu dem insgesamt feuchten Gesamtjahr führten.
Die Landwirtinnen und Landwirte mussten schon bei der Aussaat der Sommerkulturen im Frühjahr einige witterungsbedingte Herausforderungen meistern, im Juni allerdings konnten sie Trocken- und Hitzestresserscheinungen, die das Resultat fehlender Niederschläge und einer sehr hohen Sonneneinstrahlung waren, nichts entgegensetzen. Der fast tägliche Regen kam dann erst Ende Juli und zwang die Mähdrescher oft, die Erntearbeiten ungewollt zu beenden.
Auch im weiteren Jahresverlauf ab Oktober standen für die Winterkulturen witterungsbedingte Verzögerungen bei der Saatbettbereitung und der Aussaat vielerorts auf der Tagesordnung.
Abschließend bleiben der 20. März als Beginn und der 21. November als Ende der Vegetation festzuhalten. Die Vegetationsperiode dauerte 2023 somit 247 Tage und damit drei Tage länger als im vieljährigen Mittel.
Umfassende Daten finden Interessenten im gerade erschienenen Jahreswitterungsbericht, stets tagesaktuelle Informationen für die Landwirtschaft im Internetangebot ‚Agrarmeteorologie Thüringen‘.
Hintergrund:
Die meisten Maßnahmen zur Erzeugung pflanzlicher Produkte werden in hohem Maße durch die Witterung beeinflusst. Dies trifft z. B. auf Sortenwahl, Düngung, Pflanzenschutz oder Bewässerung zu. Witterung wirkt sich unmittelbar auf Ertrag und Qualität aus.
Eine Vielzahl von rechnergestützten Entscheidungshilfen, Prognose- und Empfehlungsmodellen (z. B. ISIP) helfen Landwirtinnen und Landwirte bei der fachgerechten Durchführung all dieser Maßnahmen. Dabei setzen diese Programme in hohem Maße die Verfügbarkeit von möglichst ortskonkreten meteorologischen Daten voraus, die ein vom TLLLR betriebenes, um die Stationen des DWD ergänztes Netz von agrarmeteorologischen Stationen im ländlichen Raum Thüringens liefert.
Durch die Nutzung von auf Wetterdaten basierenden Beratungsprogrammen, wie z. B. Programme zum Pflanzenschutzmitteleinsatz oder zur Düngung, wird eine Verringerung des Eintrags an Stickstoff- und Pflanzenschutzmittelrückständen in die Umwelt erreicht und somit die Ressource Boden geschont.